Wenn dein Pferd unruhig wird, wälzen will, nach dem Bauch schaut oder in die Box scharrt, könnte eine Kolik dahinterstecken. Bei Kolik zählt jede Minute — falsches Handeln kostet Leben, richtiges Handeln rettet es. In diesem Guide bekommst du alle Informationen, die du im Ernstfall brauchst.
Was ist eine Kolik?

Kolik ist der Sammelbegriff für alle Bauchschmerzen beim Pferd. Sie kann harmlos sein oder lebensbedrohlich — und das lässt sich zu Beginn oft nicht unterscheiden. Deshalb gilt: Jede Kolik ist ein Notfall.
Warum Pferde so anfällig sind
• Sehr langer Verdauungstrakt (über 30 Meter)
• Enger Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm
• Kein Erbrechen möglich — was drinnen ist, bleibt drinnen
• Empfindliche Darmflora
• Hoher Wasserbedarf — Dehydrierung als Auslöser
Die verschiedenen Kolik-Arten
1. Krampfkolik (häufigste Form)
• Kurzzeitige Verkrampfungen der Darmmuskulatur
• Meist harmlos
• Oft nach Wetterumschwung
• Löst sich häufig von selbst
2. Gaskolik / Blähung
• Gasansammlung im Darm
• Aufgetriebener Bauch
• Nach Grünfutter-Umstellung
• Nach schnellem Fressen
3. Verstopfungskolik
• Kot bleibt stecken
• Häufig im Dickdarm
• Oft nach zu wenig Wasser
• Bei Zahnproblemen häufig
4. Sandkolik
• Sand sammelt sich im Darm
• Auf sandigen Weiden
• Bei Fütterung vom Boden
• Chronisch und akut möglich
5. Darmverdrehung (Torsion)
• Der schlimmste Notfall
• Darm dreht sich um sich selbst
• Blutzirkulation unterbrochen
• Meist Operation nötig
• Ohne schnelles Handeln tödlich
6. Einklemmung (Inkarzeration)
• Darmschlinge klemmt ein
• Meist chirurgisch
• Sofortige OP nötig
7. Magenüberladung
• Zu viel Futter auf einmal
• Kann Magen sprengen (selten, aber tödlich)
• Bei Kraftfutter-Überdosis
Die Symptome: So erkennst du eine Kolik

Frühe Symptome (leicht bis mittel)
• Unruhe in der Box
• Scharren mit den Vorderhufen
• Wiederholtes Umschauen zum Bauch
• Weniger fressen oder Fressverweigerung
• Aufstehen und Hinlegen häufig
• Vermehrtes Wälzen
• Weniger Kot als sonst
Fortgeschritten (mittel bis schwer)
• Starkes Schwitzen ohne Anstrengung
• Erhöhter Puls (über 60/Min)
• Schnelle Atmung
• Bauchmuskeln angespannt
• Rollen und Wälzen heftig
• Gegen Boxenwände treten
• Aufgetriebener Bauch
• Weißes/blaues Zahnfleisch
Kritisch (Notfall!)
• Dauerhaft am Boden liegend
• Extreme Bauchschmerzen
• Kalte Ohren/Extremitäten
• Kollaps
• Verändertes Bewusstsein
Bei kritischen Zeichen: Nicht warten — Tierarzt SOFORT!
Sofortmaßnahmen: Was du tun musst

Schritt 1: Tierarzt rufen
Sofort und immer. Auch bei “leichter” Kolik. Ein Kolik-Verlauf ist unvorhersehbar.
Schritt 2: Vitalzeichen prüfen
• Puls messen (Unterkiefer, 28-40/Min normal)
• Atmung zählen (8-16/Min normal)
• Temperatur messen (37,5-38,2 °C normal)
• Zahnfleisch prüfen (rosa, KFZ unter 2 Sek)
Schritt 3: Futter wegnehmen
• Sofort und komplett
• Kein Heu, kein Kraftfutter
• Auch keine Karotten oder Snacks
Schritt 4: Wasser anbieten — vorsichtig
• Nicht zwingen zu trinken
• Kleine Mengen immer wieder anbieten
• Kein eiskaltes Wasser
Schritt 5: Beobachten und dokumentieren
• Uhrzeit der ersten Symptome
• Verlauf aufschreiben
• Kot-Absatz kontrollieren
• Symptomatik notieren (für Tierarzt)
Schritt 6: Sanftes Führen — nur bei Bedarf
Nicht routinemäßig stundenlang führen! Das war früher üblich, wird heute anders gesehen.
• Bei starkem Wälzen: vorsichtig aufstehen lassen
• Kurze Runden — 5-10 Minuten
• Nicht überanstrengen
• Bei Erschöpfung ruhen lassen
Schritt 7: Warten auf Tierarzt
• Nicht selbst medikamentieren (auch keine Kolik-Zäpfchen ohne Absprache)
• Pferd nicht alleine lassen
• Zugang für Tierarzt vorbereiten (Tor öffnen, Halfter parat)
Was du NIE tun solltest
Nie: “Nur ein wenig warten”
Zeit ist bei Kolik der schlimmste Feind. Immer Tierarzt.
Nie: Kolik-Mittel ohne Tierarzt
Metamizol-Zäpfchen oder andere Schmerzmittel verschleiern Symptome — Tierarzt kann nicht mehr richtig einschätzen.
Nie: Grüne Weide anbieten
Auch wenn Pferd “hungrig” wirkt — Verschlimmerung!
Nie: Alleine lassen
Verletzungsgefahr durch Wälzen und Rollen.
Nie: Aufregung ausstrahlen
Pferd spürt deine Panik. Ruhig bleiben.
Wenn der Tierarzt da ist
Was er machen wird
1. Umfassende Untersuchung
2. Rektale Untersuchung (fühlt Darmschlingen)
3. Magensonde (entlastet Magen)
4. Blutbild (Entzündung, Dehydrierung)
5. Ggf. Ultraschall oder Punktion
6. Medikamente — Schmerzmittel, Spasmolytika, ggf. Infusion
Behandlungsoptionen
Bei leichten Fällen: - Medikamentöse Behandlung - Beobachtung - Meist gute Prognose
Bei mittleren Fällen: - Klinik-Aufenthalt - Dauerinfusion - Engmaschige Kontrolle
Bei schweren Fällen: - Operation in Pferdeklinik - 12.000-15.000 € durchschnittlich - Prognose je nach Ursache
Die häufigsten Ursachen
Fütterungsfehler
• Plötzliche Umstellung
• Zu wenig Struktur (Heu)
• Zu viel Kraftfutter auf einmal
• Schlechte Heuqualität
• Zu schnelles Fressen
Wassermangel
• Zu wenig Wasser (Winter: gefrorene Tränke!)
• Verunreinigtes Wasser
• Zu wenig Salz — reduziertes Trinken
Bewegungsmangel
• Boxenhaltung ohne Auslauf
• Nach Operationen
• Bei Verletzungen mit Ruhe-Empfehlung
Zahnprobleme
• Schlecht gekautes Futter
• Führt zu Verstopfung
Wurmbefall
• Vor allem verkapselte Strongyliden-Larven
• Regelmäßige Kotproben wichtig
Wetter
• Wetterumschwünge
• Kaltfronten
• Sturm
Weidewechsel
• Neues Gras
• Andere Zusammensetzung
• Schnelle Aufnahme
Stress
• Transport
• Turnier
• Herdenwechsel
• Neuer Stall
Sandaufnahme
• Sandige Weiden
• Fütterung vom Boden
• Kurze Grasnarbe
Vorbeugung: So senkst du das Risiko
1. Fütterung optimieren
• Langsame Umstellungen — mindestens 10-14 Tage
• Ausreichend Heu (1,5-2% Körpergewicht)
• Wenig Kraftfutter, öfter
• Gute Qualität immer
2. Wasser sicherstellen
• Immer verfügbar
• Sauber
• Warm im Winter (nicht eiskalt)
• Salzleckstein anbieten
3. Bewegung
• Täglich mindestens 4-6 Stunden Bewegung
• Weidegang wo möglich
• Bei Boxenhaltung aktive Bewegung
4. Zahnkontrolle
• Mindestens jährlich
• Bei Senioren halbjährlich
5. Selektive Entwurmung
• Kotproben regelmäßig
• Gezielt behandeln
• Nicht routinemäßig
6. Sand vermeiden
• Nicht vom Boden füttern
• Trockene Weiden bevorzugen
• Bei Sandaufnahme: Flohsamen unterstützend
7. Stress minimieren
• Ruhige Herde
• Stabile Umgebung
• Transport optimieren
8. Kolik-Anamnese beachten
Pferde, die einmal Kolik hatten, haben erhöhtes Risiko. Besonders vorsichtig sein.
Ergänzungsfutter zur Verdauungs-Unterstützung

Für sensible Pferde:
• Bierhefe — stabilisiert Darmflora
• Präbiotika/Probiotika
• Flohsamen — bindet Sand und Flüssigkeit
• NURA Vitalquelle — Stoffwechselunterstützung
• Höveler Puritan Pur Mash — magenschonend
Kolik im Notfall-Aushang
In jedem Stall sollte ein Notfall-Aushang für Kolik hängen:
• Tierarzt-Nummer (auch Nacht/Notdienst)
• Pferdeklinik in der Nähe
• Vitalzeichen-Normwerte
• Sofortmaßnahmen kurz und klar
• Wer im Ernstfall anzurufen ist
Kavalio bietet dazu Notfall-Aushänge zum Download an — laminieren und aufhängen.
FAQ: Kolik beim Pferd
Wie oft haben Pferde Kolik?
Etwa 5-10% pro Jahr — je nach Haltung und Fütterung.
Wann muss ich Tierarzt rufen?
Immer bei Kolik-Verdacht. Nicht warten.
Kann Kolik von alleine verschwinden?
Leichte Krampfkoliken ja. Trotzdem Tierarzt rufen.
Was kostet Kolik-Behandlung?
Ambulant: 150-300 €. Klinik: 500-1.500 €. Operation: 12.000-15.000 €.
Sollte ich Kolik-Versicherung abschließen?
Bei jungen, gesunden Pferden oft sinnvoll — OP kann finanziell ruinieren.
Können Fohlen Kolik haben?
Ja — besonders nach Milchumstellung.
Ist Kolik ansteckend?
Nein — aber Ursachen können mehrere Pferde treffen (Futter, Wetter).
Kann Bewegung Kolik auslösen?
Falsche Bewegung ja — zu viel nach Fressen, plötzliche Anstrengung.
Wie erkenne ich Kolik in der Nacht?
Sichtbare Zeichen meist deutlich — Wälzen, Unruhe, Fressverweigerung.
Muss ich Pferd nach Kolik anders füttern?
Meist ja — Fütterungsplan mit Tierarzt besprechen.
Fazit: Kolik ist ernst — aber managbar
Kolik ist einer der häufigsten Notfälle beim Pferd. Wer die Symptome kennt, sofort richtig reagiert und immer den Tierarzt einbezieht, hat gute Chancen auf gutes Ausgehen. Vorbeugung durch richtige Fütterung, Bewegung und Wasserzugang ist der beste Schutz.
Im kavalio Onlineshop findest du magenschonendes Mash, Bierhefe für die Darmflora und NURA-Ergänzungsfutter zur Verdauungs-Unterstützung.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Kolik-Verdacht immer sofort Tierarzt rufen.
Lese-Tipps: Ergänzend findest du unsere Beiträge zur Erste Hilfe beim Pferd, zum Kotwasser und zur Herbst-Fütterungsumstellung.

