Die Kräuterfütterung erlebt seit Jahren einen Boom in der Pferdehaltung. Kein Wunder: Pferde haben in der Natur Zugang zu über 50 Wildkräutern, die auf modernen Weiden fehlen. Kräuter können bei Verdauung, Atemwegen, Stoffwechsel und vielem mehr unterstützen — wenn sie richtig eingesetzt werden. Aber Vorsicht: Naturheilkunde ist kein Heilsversprechen, und Kräuter können auch schaden.
Grundlagen: Was Kräuter beim Pferd bewirken
Warum überhaupt Kräuter?
• Ergänzung zur modernen Kraftfutter-Fütterung
• Sekundäre Pflanzenstoffe — nicht in Standardfutter
• Sanft und ganzheitlich
• Präventiv und begleitend
Was Kräuter NICHT sind
• Kein Ersatz für Tierarzt
• Keine Wunder
• Keine sofort-Wirkung wie Medikamente
• Nicht immer harmlos
Wie wirken Kräuter?
• Ätherische Öle
• Bitterstoffe
• Gerbstoffe
• Flavonoide
• Alkaloide
Die wichtigsten Kräuter im Überblick
Kamille (Matricaria chamomilla)
Wirkung: - Beruhigend für Nerven und Magen - Krampflösend - Entzündungshemmend - Wohltuend
Anwendung: - Nervöse Pferde - Magen-Probleme - Verdauungsstörungen - Vor Turnier
Dosierung: 10-20 g getrocknet täglich
Salbei (Salvia officinalis)
Wirkung: - Antibakteriell - Für Atemwege - Regt Verdauung an - Bei starkem Schwitzen
Anwendung: - Atemwegsprobleme - Verdauung - Als Tee bei Halsentzündung
Dosierung: 10-15 g täglich
Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus)
Wirkung: - Hormonell wirksam - Bei Stuten mit Zyklus-Problemen - Diskutierte Wirkung bei Cushing (nicht wissenschaftlich belegt)
Anwendung: - Rossige Stuten - Cushing-Unterstützung (fraglich)
Dosierung: 5-15 g täglich
Vorsicht: Nicht bei trächtigen Stuten!
Brennnessel (Urtica dioica)
Wirkung: - Entwässernd - Blut-reinigend - Reich an Vitaminen und Mineralien - Fördert Fellwechsel
Anwendung: - Fellwechsel - Rheuma-ähnliche Beschwerden - Als Kur
Dosierung: 20-30 g täglich
Löwenzahn (Taraxacum)
Wirkung: - Anregt Verdauung - Leber-unterstützend - Bitterstoffe
Anwendung: - Frühjahrs-Kur - Verdauung - Leber-Unterstützung
Dosierung: 20-40 g täglich (Blätter)
Mariendistel (Silybum marianum)
Wirkung: - Leber-schützend - Nach Erkrankungen - Bei Cushing-Pferden
Anwendung: - Nach Antibiotika - Bei Leber-Belastung - Prophylaktisch bei Sportpferden
Dosierung: 5-15 g Samen täglich
Fenchel und Anis
Wirkung: - Krampflösend - Für Atemwege - Bei Husten
Anwendung: - Atemwegsinfekte - Bronchitis - Als Kur
Dosierung: 10-20 g
Weißdorn (Crataegus)
Wirkung: - Kreislauf-stärkend - Für Herz - Bei Senioren
Anwendung: - Ältere Pferde - Nach Belastung - Prophylaktisch
Dosierung: 15-25 g täglich
Ingwer (Zingiber officinale)
Wirkung: - Entzündungshemmend - Kreislauf-anregend - Für Gelenke
Anwendung: - Arthrose-begleitend - Nach Belastung - Vor Sport
Dosierung: 5-10 g täglich
Vorsicht: Auf Turnier oft nicht erlaubt (Doping-Liste prüfen!)
Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)
Wirkung: - Entzündungshemmend - Schmerzlindernd - Für Gelenke
Anwendung: - Arthrose - Chronische Gelenkprobleme
Dosierung: 5-15 g täglich
Vorsicht: Nicht bei Magengeschwüren! Auf Doping-Liste!
Häufige Anwendungsbereiche

Für Verdauung
Bewährte Kräuter: - Kamille — beruhigt - Fenchel — krampflösend - Löwenzahn — anregt
Ideal bei: Kotwasser, sensibler Magen, Stress-Verdauung.
Für Atemwege
Bewährte Kräuter: - Salbei — antibakteriell - Thymian — schleimlösend - Isländisch Moos — schleimhaut-beruhigend - Süßholz — auswurffördernd
Ideal bei: Husten, staubbelasteter Stall, chronische Bronchitis.
Für Fellwechsel
Bewährte Kräuter: - Brennnessel — mineralreich - Bierhefe — B-Vitamine - Leinsamen — Omega-3 - Löwenzahn — reinigend
Für Nerven / Stress
Bewährte Kräuter: - Kamille — sanft beruhigend - Baldrian — bei Ängstlichkeit - Hopfen — bei Nervosität - Melisse — entspannend
Ideal bei: Nervöse Pferde, Turnier-Stress, Umstellungen.
Für Gelenke
Bewährte Kräuter: - Teufelskralle — entzündungshemmend - Ingwer — schmerzlindernd - Weidenrinde — natürliches Salicylat - Brennnessel — mineralreich
Ideal bei: Arthrose, Senioren, aktive Sportpferde.
Für Leber / Stoffwechsel
Bewährte Kräuter: - Mariendistel — schützend - Artischocke — anregt - Löwenzahn — entgiftend
Ideal bei: Nach Antibiotika, Cushing, Übergewicht.
Vorsicht: Was zu beachten ist
Nicht alle Kräuter für alle Pferde
Kontraindikationen: - Trächtige Stuten — viele Kräuter tabu - Bei Magengeschwüren — Teufelskralle nicht - Bei Blutgerinnungsstörungen — Weidenrinde vorsichtig - Bei Niereproblemen — entwässernde Kräuter meiden
Doping-Liste beachten
Verboten auf Turnier: - Teufelskralle - Ingwer - Baldrian (bei Sport) - Weidenrinde
Vor Turnier: Kräuter absetzen (mindestens 48 Std, oft 7 Tage).
Qualität ist wichtig
Achte auf: - Bio-Qualität wenn möglich - Fachhandel — nicht Discounter - Frisch geerntet - Sauber verarbeitet - Analyse-Zertifikat bei größeren Mengen
Dosierung nicht überschreiten
Weniger ist mehr: - Kräuter sind wirksam — Überdosierung kann schaden - Gewichts-Bezug beachten - Kur-Zeit von 4-6 Wochen einhalten - Pausen einbauen
Kur-Zeiten: Nicht dauerhaft füttern
Warum Pausen?
• Gewöhnungs-Effekt wird reduziert
• Wirkung bleibt erhalten
• Nebenwirkungen vermeidbar
• Bio-Rhythmus des Körpers
Typische Kur
• 4-6 Wochen Anwendung
• 2-4 Wochen Pause
• Ggf. erneut starten
Ausnahmen
Manche Kräuter dauerhaft möglich: - Brennnessel (in Maßen) - Kamille (leicht dosiert) - Mariendistel (bei Cushing)
Anwendung: Wie füttern?

Getrocknet (Standard)
• Ins Kraftfutter mischen
• Angefeuchtet — bessere Aufnahme
• Mit Öl angemischt für bittere Kräuter
Als Tee
• Aufgießen mit heißem Wasser
• Abkühlen lassen
• Über Futter gießen
Frisch
• Von Wiese oder selbst gepflückt
• Vorsicht — sichere Bestimmung nötig
• Nicht zuviel auf einmal
Als Fertig-Mischung
• Für Anfänger ideal
• Vom Fachhandel
• Ausgewogene Kombination
Kräuter selbst anbauen

Was du problemlos anbauen kannst
• Kamille
• Fenchel
• Ringelblume
• Brennnessel (wild)
• Löwenzahn (wild)
• Salbei
Was Vorsicht braucht
• Nicht sicher bestimmbare Kräuter
• Nahe an Straßen gesammelt
• Mit Pestiziden behandelt
Trocknung
• Kühl und dunkel
• Gut belüftet
• Nicht auf feuchtem Untergrund
• In Papiertüten aufbewahren
Wann Naturheilkunde nicht reicht
Kräuter sind keine Medikamente. Bei diesen Symptomen: Tierarzt!
• Fieber
• Starke Schmerzen
• Blutungen
• Kolik
• Akute Lahmheit
• Kein Fressen
• Neurologische Symptome
Ergänzung mit modernen Präparaten
Manche moderne Präparate kombinieren Kräuter mit anderen Wirkstoffen:
• NURA Kopfklar — für Nerven, mit Kräuterextrakten
• NURA Frischluft — für Atemwege
• Höveler Bierhefe — B-Vitamine
FAQ: Kräuter für Pferde
Kann ich Kräuter dauerhaft füttern?
Manche ja (Brennnessel), die meisten als Kur.
Sind Kräuter Doping?
Manche ja — vor Turnier absetzen.
Welche Kräuter sollte ich immer haben?
Kamille, Fenchel, Brennnessel als Basis.
Können Kräuter schaden?
Ja, bei Überdosierung oder falscher Anwendung.
Kann ich Kräuter selbst sammeln?
Nur mit sicherer Bestimmung.
Sind teure Kräuter besser?
Qualität wichtiger als Preis — Bio ideal.
Kann mein Pferd Kräuter verweigern?
Ja — mit Öl oder Melasse anmachen.
Wirken Kräuter sofort?
Nein — meist 4-6 Wochen Wirkzeit.
Sind Kräuter für Fohlen okay?
Vorsicht — nur nach Absprache.
Was bei trächtigen Stuten?
Sehr vorsichtig — viele Kräuter tabu.
Fazit: Naturheilkunde mit Bedacht
Kräuter für Pferde können eine sinnvolle Ergänzung sein — wenn du sie wissend und maßvoll einsetzt. Sie sind keine Wunder, aber echte Unterstützung. Wichtig: Bei ernsten Problemen immer Tierarzt einbeziehen, und Kräuter nur als Begleitung nutzen.
Im kavalio Onlineshop findest du NURA-Ergänzungsfutter mit Kräuterextrakten für Nerven und Atemwege, Höveler Bierhefe als natürliche Ergänzung und viele weitere naturheilkundliche Produkte.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche oder tierheilpraktische Beratung. Bei ernsten Symptomen immer Fachperson einbeziehen.
Lese-Tipps: Ergänzend findest du unsere Beiträge zum Fellwechsel, zum Kotwasser und zum Gewichtsmanagement.

