Magengeschwüre beim Pferd (EGUS) sind viel häufiger, als Reiter denken. Sportpferde sind zu 70-90% betroffen, Freizeitpferde immer noch zu 30-50%. Das Fatale: Die Symptome sind oft unspezifisch und werden als Verhaltensprobleme abgetan. In diesem Guide erfährst du, wie du Magengeschwüre erkennst und dein Pferd langfristig unterstützt.
Was sind Magengeschwüre beim Pferd?

EGUS steht für Equine Gastric Ulcer Syndrome — es beschreibt Verletzungen der Magenschleimhaut. Der Pferdemagen hat zwei Bereiche, die unterschiedlich betroffen sein können.
Die zwei Formen
ESGD (Equine Squamous Gastric Disease): - Der obere, drüsenlose Bereich des Magens - Häufigste Form (bis 90% der Fälle) - Meist durch Säure-Rückfluss - Gut behandelbar
EGGD (Equine Glandular Gastric Disease): - Der untere, drüsenreiche Bereich - Seltener, aber schwieriger - Oft Stress-bedingt - Schwerer behandelbar
Warum ist der Pferdemagen so empfindlich?
• Produziert kontinuierlich Magensäure — auch ohne Fressen
• Sehr klein — nur 8-15 Liter Volumen
• Trennung in zwei Bereiche — schleimige Schutzschicht nur unten
• Kein Wiederkäuen — keine Neutralisierung durch Speichel
• Bei leerem Magen — Säure greift Schleimhaut direkt an
Symptome erkennen

Die tückische Sache: Es gibt keine typischen Anzeichen. Die Symptome sind vielfältig und oft unspezifisch.
Häufige Symptome
• Fressverweigerung oder wechselnde Fresslust
• Langsameres Fressen
• Kraftfutter wird verweigert, Heu gefressen (oder umgekehrt)
• Gewichtsverlust trotz normaler Fütterung
• Struppiges, glanzloses Fell
• Wiederkehrende Koliken
• Kotwasser
• Sattelzwang (siehe Extra-Beitrag)
• Widersetzlichkeit beim Reiten
• Zähneknirschen
• Vermehrtes Gähnen
• Aggressivität gegenüber Reiter/Pfleger
• Depression und Apathie
Unter dem Sattel
• Buckeln oder Bocken
• Widerwillen zum Vorwärts-Gehen
• Zurücktreten hinter die Anlehnung
• Kopfschlagen
• Beißen in die Trense
• Reduzierte Leistung
Bei Fohlen
• Zähneknirschen
• Rückenlage häufiger als normal
• Fressverweigerung
• Durchfall
Wer ist besonders gefährdet?
Risiko-Gruppe 1: Sport- und Turnierpferde
• Bis 90% betroffen im Rennsport
• 60-70% bei Vielseitigkeit/Springen
• 50% bei Dressur
Warum? Training belastet den Magen mechanisch (Säure schwappt), Stress erhöht Säureproduktion.
Risiko-Gruppe 2: Boxenpferde
• Wenig Bewegung
• Selten frisst = leerer Magen
• Stress durch Isolation
Risiko-Gruppe 3: Nervöse Pferde
• Erhöhte Stresshormone
• Höhere Säureproduktion
• Weniger Fresslust
Risiko-Gruppe 4: Häufig transportierte Pferde
• Turnier-Pferde
• Zucht-Pferde im Reisebetrieb
Weniger gefährdet
• Weidegehende Pferde in stabiler Herde
• Robustrassen
• Freizeitpferde ohne Stress
Die Ursachen im Detail

1. Falsche Fütterung
• Zu wenige Mahlzeiten — Magensäure ohne Puffer
• Zu viel Kraftfutter auf einmal
• Zu wenig Heu — Struktur fehlt
• Zu viel Zucker/Stärke — Fermentation
• Karg-Zeiten über 4-6 Stunden
2. Stress
• Turnier
• Transport
• Neuer Stall
• Herdenwechsel
• Trennung
• Krankheit
3. Bewegung
• Zu wenig = Verdauung stagniert
• Zu intensiv nach Fressen = Säure-Schwappen
• Auf leeren Magen trainieren
4. Medikamente
• Bestimmte Schmerzmittel (NSAIDs) — Phenylbutazon, Flunixin
• Antibiotika stören Darmflora
• Cortison-Präparate
5. Krankheiten
• Chronische Erkrankungen
• Zahnprobleme
• Reizmagen-Syndrom
Diagnose: Die Gastroskopie ist Standard

Verdacht ist nicht Diagnose. Nur eine Gastroskopie (Magenspiegelung) sichert die Diagnose ab.
Wie läuft eine Gastroskopie ab?
1. 12-16 Stunden vorher nüchtern
2. Sedierung (leichte Beruhigung)
3. Einführung des Endoskops über Nasengang und Speiseröhre in den Magen
4. Untersuchung der beiden Magenbereiche
5. Fotos/Videos zur Dokumentation
6. Bewertung nach Schweregrad (0-4)
Dauer: 30-45 Minuten Kosten: 250-500 €
Grade der Verletzungen
• Grad 0: Gesunde Schleimhaut
• Grad 1: Rötung, leichte Schäden
• Grad 2: Kleine Läsionen
• Grad 3: Deutliche Geschwüre
• Grad 4: Tiefe, blutende Geschwüre
Behandlung: Was wirklich hilft
Medikamentöse Therapie
Der Standard:
Omeprazol (GastroGard, UlcerGard) - Wirkt seit Jahren bewährt - Über 4 Wochen Behandlung - Blockiert Säureproduktion - Meist gute Heilung von ESGD
Sucralfat - Bildet Schutzschicht über Läsionen - Bei EGGD oft kombiniert
Misoprostol - Für schwere Fälle - Bei EGGD manchmal wirksamer
Kosten
• Omeprazol-Kur: 200-400 €
• Umfassende Behandlung mit Follow-up-Gastroskopie: 500-800 €
Fütterung: Die Basis der Behandlung

Grundregeln
1. Ständiger Zugang zu Raufutter - Kein leerer Magen über 4-6 Stunden - Ausreichend Heu (2% Körpergewicht) - Bei Boxenhaltung: Slow-Feeder oder Heunetze
2. Kraftfutter richtig geben - Viele kleine Portionen statt zwei große - Nach dem Heu — nie vor - Nicht mehr als 2 kg pro Mahlzeit
3. Vor dem Training - Handvoll Heu vor Training - Kein leerer Magen beim Reiten - Wichtig für Sport-Pferde
4. Zusätzlich hilfreich - Luzerne — puffert Säure durch Kalzium - Warmes Mash — sanft für Magen - Wenig Melasse — keine Zuckerspitzen
Empfohlene Produkte
• Höveler Puritan Pur Mash — extrem magenschonend
• Luzerne-Pellets für Sportpferde
• Slow-Feeder Heunetze
Management: Was du langfristig ändern solltest
Bewegung
• Weidegang so viel wie möglich
• Vor dem Training ausreichend Heu
• Regelmäßige Bewegung über den Tag
Stress reduzieren
• Stabile Herde
• Ruhige Fütterung
• Rückzugsmöglichkeiten
• Weniger Transporte — wo möglich
Turnier-Management
• Am Turniertag Heu ad libitum
• Stress-Symptome ernst nehmen
• Bei bekannten Ulzera prophylaktische Omeprazol-Kur
• Nach Turnier Regenerationszeit
Ergänzungsfutter: Was wirklich hilft
Empfohlen (evidenzbasiert)
• Magenkräuter — Kamille, Süßholz (natürlich schleimhautschützend)
• Leinsamen — schleimbildend, wohltuend
• Pektin/Lecithin — Schleimhaut-Barriere
• Aloe Vera — schleimhautberuhigend (Studien zeigen Wirkung)
Bewährt

• NURA Vitalquelle — Stoffwechselunterstützung
• Höveler Bierhefe — für die Darmflora
• Präbiotika/Probiotika
Weniger nachgewiesen
• Manche “Magen-Präparate” ohne klare Wirkstoffangabe
• Homöopathie ohne wissenschaftliche Grundlage
Rückfälle vermeiden
60% der Pferde bekommen nach der Erst-Behandlung Rückfälle. Deshalb:
• Fütterung dauerhaft umstellen
• Kein Stress wenn möglich
• Regelmäßige Kontroll-Gastroskopie (halbjährlich bei Sportpferden)
• Ergänzungsfutter dauerhaft
• Bei Turnier-Peaks prophylaktisch behandeln
Häufige Fehler
Fehler 1: Als Verhaltensproblem abtun
Widersetzlichkeit ist oft körperlich.
Fehler 2: Ohne Gastroskopie behandeln
Nur Verdacht = Fehldiagnose möglich. Immer sichere Diagnose.
Fehler 3: Nur Medikamente, keine Fütterungsumstellung
Ohne Ursachenbehandlung — Rückfall vorprogrammiert.
Fehler 4: Zu kurze Behandlung
Mindestens 4 Wochen Omeprazol.
Fehler 5: Kein Follow-up
Kontroll-Gastroskopie ist wichtig — Heilung überprüfen.
FAQ: Magengeschwür beim Pferd
Wie erkenne ich Magengeschwüre bei meinem Pferd?
Nur mit Gastroskopie sicher. Verdacht bei Symptomen wie Widersetzlichkeit, Sattelzwang, Fressverweigerung.
Was kostet die Gastroskopie?
250-500 € je nach Klinik.
Ist Omeprazol immer nötig?
Bei bestätigten Ulzera ja — meist über 4 Wochen.
Kann Magengeschwür heilen?
Ja — mit richtiger Behandlung meist vollständig.
Wie lange dauert die Heilung?
4-8 Wochen in leichten Fällen. Bei EGGD länger.
Wiederholen sich Magengeschwüre?
Bei 60% ohne Fütterungsumstellung.
Sind bestimmte Rassen anfälliger?
Vollblüter und sensible Warmblüter häufig betroffen.
Können Fohlen Magengeschwüre haben?
Ja — vor allem in stressigen Phasen.
Muss ich mein Pferd verkaufen bei chronischen Ulzera?
Nein — mit gutem Management gut lebbar.
Ist Sport möglich mit Magengeschwür?
Nach Ausheilung: ja. Mit angepasstem Management.
Fazit: Ernst nehmen, systematisch behandeln
Magengeschwüre beim Pferd sind häufig, aber gut behandelbar. Der Schlüssel liegt in der sicheren Diagnose durch Gastroskopie, konsequenter Medikation und langfristiger Fütterungs- und Management-Umstellung. Wer sein Pferd wirklich verstehen will, schließt Magengeschwüre bei Verhaltensauffälligkeiten immer aus.
Im kavalio Onlineshop findest du Puritan Pur Mash als magenschonende Basis, Bierhefe für die Verdauung und NURA-Ergänzungsfutter zur langfristigen Unterstützung.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Magengeschwüre immer Tierarzt einbeziehen — nur Gastroskopie sichert die Diagnose.
Lese-Tipps: Ergänzend findest du unsere Beiträge zum Sattelzwang, zum Kotwasser und zur Erste-Hilfe beim Pferd.

