Wer sein Pferd das ganze Jahr über gut versorgen will, kann im August nicht sparen: Heu ist die Grundlage jeder Pferdefütterung — und Fehler bei Auswahl oder Lagerung rächen sich später mit Schimmel, Staub, Verdauungsproblemen und im schlimmsten Fall Kolik. In diesem Guide zeigen wir dir alles Wichtige rund um die frische Heu-Ernte.
Warum die Heu-Qualität so wichtig ist
Ein Pferd frisst 8-15 kg Heu pro Tag — über 3 Tonnen pro Jahr. Das ist die Basis-Ernährung und macht bei Freizeitpferden oft die gesamte Ration aus. Schlechtes Heu bedeutet:
• Verdauungsprobleme — Kotwasser, Kolik
• Atemwegsreizungen — durch Staub und Schimmelsporen
• Nährstoffdefizite — bei überaltertem Heu
• Allergien — durch Pilzsporen
• Leberprobleme — bei Mykotoxinen
Gutes Heu dagegen ist die beste Investition in die Gesundheit deines Pferdes.
Die aktuelle Heu-Saison

Erster Schnitt (Juni)
• Höchster Rohfasergehalt
• Weniger Zucker und Eiweiß
• Ideal für Freizeit- und Robustpferde
• Bei EMS/Cushing bevorzugt
Zweiter Schnitt (August)
• Mehr Blätter, weniger Halme
• Etwas mehr Eiweiß
• Zarter, aromatischer
• Ideal für Sportpferde und Senioren
Dritter Schnitt (September)
• Sehr eiweißreich
• Sehr weich
• Für ältere Pferde oder Fohlen
• Vorsicht bei EMS/Cushing
Heu-Qualität erkennen: Die Sinnesprobe
1. Sehen
Gutes Heu: - Grüne bis grün-braune Farbe - Vielfältige Struktur — Halme, Blätter, ggf. Kräuter - Trocken — nicht klumpig - Keine dunklen Stellen
Schlechtes Heu: - Gelb, grau oder weißlich (überaltert oder überhitzt) - Schwarze Stellen — Schimmel! - Klumpig — Feuchtigkeit - Sichtbare Sporen — Staubwolke beim Aufschütteln
2. Riechen
Gutes Heu: - Aromatisch-würzig - Nach Sommerwiese - Angenehm frisch
Schlechtes Heu: - Modrig oder muffig - Stechender Geruch - Nach nassem Keller - Nach Ammoniak
3. Fühlen
Gutes Heu: - Trocken und knisternd - Federnd - Nicht klumpig
Schlechtes Heu: - Feucht oder klamm - Warm — Nachgärung! - Klumpen bilden sich beim Aufheben
4. Schmecken
Ja, du solltest dein Heu auch probieren: - Angenehm süßlich - Nach Kräutern - Nicht bitter - Nicht “chemisch”
Woher weißt du, dass das Heu wirklich gut ist? — Die Analyse
Sinnesprobe reicht oft nicht. Eine professionelle Heu-Analyse kostet ca. 30-60 € und zeigt:
• Zucker- und Fruktangehalt (kritisch bei EMS/Cushing)
• Eiweißgehalt
• Energiegehalt
• Mineralstoff-Zusammensetzung
• Ggf. Belastung mit Schimmelsporen
Wann Heu-Analyse Pflicht?
• Bei EMS oder Cushing im Bestand
• Bei Hufrehe-Anamnese
• Bei wiederkehrenden Verdauungsproblemen
• Bei großem Bestand (Zusammenstellung des Kraftfutters)
• Bei Kauf großer Mengen von einem neuen Lieferanten
Anbieter: LUFA-Institute, Iwest, Agrolab, spezialisierte Pferdelabore.
Der richtige Kauf

Vom Landwirt direkt
Vorteile: - Meist günstiger - Weißt, wo es herkommt - Persönlicher Kontakt
Nachteile: - Wechselnde Qualität je nach Jahr - Musst selbst lagern - Kein Anspruch bei schlechter Ware
Über Reitställe / Genossenschaften
Vorteile: - Meist Qualitätsprüfung vorhanden - Kleinere Mengen möglich
Nachteile: - Teurer - Weniger Kontrolle
Fertigballen (Kleinballen)
Vorteile: - Praktisch - Genaue Portionen - Gute Lagerbarkeit
Nachteile: - Deutlich teurer (bis zu doppelt so viel pro kg) - Verpackung kann Feuchtigkeit stauen
Wann ist neues Heu verfütterbar?

Absoluter Grundsatz: Nicht sofort nach der Ernte!
Die Nachreifezeit
Frisches Heu braucht 6-8 Wochen Ruhezeit:
• Zuckerabbau durch Restfermentation
• Stabilisierung der Feuchtigkeit
• Ausschluss von Nachgärung
Warum das wichtig ist
• Zu frisches Heu kann bei Pferden Verdauungsstörungen auslösen
• Wärmentwicklung in ersten Wochen — Schimmelrisiko
• Nährstoffumbau ist noch nicht abgeschlossen
Faustregel
Ernte im August → Verfütterung ab Oktober.
Die richtige Lagerung

Der ideale Heuboden
• Trocken — absolut
• Belüftet — Zugluft nach oben
• Kühl — nicht in praller Sonne
• Sauber — keine Reste vom Vorjahr!
• Nager-sicher — Katzen willkommen
Aufbau der Lagerung
Von unten nach oben:
1. Palletten oder Balken als Boden — 10-15 cm Abstand
2. Trockene Unterlage (kein Beton direkt!)
3. Kreuzweise stapeln für Luftzirkulation
4. Nicht zu dicht — Zwischenräume lassen
5. Nicht bis zur Decke — Luftzirkulation oben
Belüftung: der wichtigste Faktor
Warum? - Restfeuchtigkeit muss entweichen - Verhindert Wärmestau - Beugt Schimmelbildung vor
So machst du es richtig: - Dachbodenfenster öffnen - Kein Zug direkt aufs Heu - Bei Regen Fenster schließen - Ggf. Ventilator in ersten Wochen
Das Nachgärungs-Problem
Kritische Phase: Erste 6 Wochen nach Ernte.
Was passiert?
Restfeuchtigkeit im Heu führt zu Mikroorganismen-Aktivität: - Wärmentwicklung — bis 60 °C! - Feuchtigkeit entsteht neu - Schimmel kann wachsen - Selbstentzündungsgefahr!
Wie erkennen?
• Handprobe: Ist der Heuballen warm?
• Thermometer in tiefe Ballen einführen
• Rauch oder Wasserdampf aus dem Heuboden — sofort Feuerwehr!
Kritische Werte
• Bis 50 °C: normal, beobachten
• 50-60 °C: kritisch, umschichten
• Über 60 °C: Feuergefahr!
Selbstentzündungsgefahr: Zu feuchtes Heu kann sich tatsächlich selbst entzünden. Jedes Jahr brennen Heubode in Deutschland aus diesem Grund. Nimm es ernst.
Die häufigsten Fehler
Fehler 1: Zu früh verfüttern
Neues Heu direkt füttern = Verdauungsprobleme.
Fehler 2: Feuchtes Heu einlagern
Nur Heu unter 15% Feuchtigkeit einlagern — sonst Nachgärung.
Fehler 3: Alten Heu-Bodenrest nicht entsorgen
Alter Staub und Schimmelsporen kontaminieren das neue Heu.
Fehler 4: Zu dicht stapeln
Ohne Luftzirkulation entsteht Schimmel.
Fehler 5: Nicht kontrollieren
Erste 6 Wochen täglich prüfen — Temperatur, Geruch, Aussehen.
Fehler 6: Alle Sorten mischen
Verschiedene Chargen getrennt lagern und kennzeichnen.
Bei schlechter Heu-Ernte: Was tun?
Nicht jedes Jahr ist ein gutes Heu-Jahr. Bei nass-kaltem Sommer:
Alternativen
• Heulage — konservierte Wiese
• Silage — bei manchen Pferden verträglich
• Heucobs — eingeweicht
• Import-Heu — aus Süddeutschland/Österreich
Weniger geeignet
• Stroh als Ersatz — zu wenig Nährstoffe
• Nur Kraftfutter — nicht magenschonend
Heu für spezielle Pferde

EMS / Cushing / Hufrehe
• Zuckerarmes Heu (unter 10%)
• Erster Schnitt bevorzugen
• Ggf. eingeweicht (Zucker auslaugen)
• Heu-Analyse Pflicht
Senioren mit Zahnproblemen
• Weiche Sorten
• Eingeweichte Heucobs als Ersatz
• Zweiter/dritter Schnitt oft besser
Sportpferde
• Höherer Energiegehalt
• Zweiter Schnitt ideal
• Ergänzung mit Luzerne möglich
Fohlen und Jungpferde
• Höherer Eiweißgehalt
• Zweiter/dritter Schnitt
• Wenig Zucker
FAQ: Heu einlagern & Qualität prüfen
Wann darf neues Heu verfüttert werden?
Nach mindestens 6-8 Wochen Nachreifezeit.
Wie viel Heu braucht mein Pferd?
1,5-2,5% des Körpergewichts — bei 600 kg also 9-15 kg täglich.
Wie lange ist Heu haltbar?
1-2 Jahre, wenn trocken und dunkel gelagert. Nährstoffverlust nach 1 Jahr aber deutlich.
Kostet Heu-Analyse viel?
30-60 € — Investition, die sich lohnt.
Schimmel-Heu — sofort entsorgen?
Ja — nicht mehr verfütterbar. Auf keinen Fall trocknen und weiterverwenden.
Kann ich Heu selber machen?
Ja, aber viel Aufwand — Wetter, Trocknung, Lagerung. Meist ist Zukauf einfacher.
Wie erkenne ich guten Landwirt?
Sauberes Feld, gute Erntetechnik, Erfahrung, Referenzen aus dem Stall.
Muss ich mehrere Sorten kaufen?
Nicht nötig — aber ergänzend Luzerne oder Heucobs oft sinnvoll.
Kann Heu zu alt sein?
Ja — über 2 Jahre alt = deutlicher Nährstoffverlust.
Wie oft Heuboden kontrollieren?
Täglich in ersten 6 Wochen, dann wöchentlich.
Fazit: Gutes Heu ist Grundlage — nimm es ernst
Die Heu-Ernte im August ist der wichtigste Zeitpunkt im Pferdejahr. Wer jetzt sorgfältig auswählt, richtig lagert und die 6-Wochen-Regel einhält, hat das ganze Jahr über gesunde Pferde. Wer schlampt, hat mit Kotwasser, Kolik oder Atemwegsproblemen zu kämpfen.
Im kavalio Onlineshop findest du Mash als Ergänzung, Mineralfutter für die Rundum-Versorgung und Bierhefe für die Verdauungs-Unterstützung.
Wichtiger Hinweis: Bei ersten Anzeichen von Kolik oder Verdauungsproblemen nach Fütterungsumstellung sofort Tierarzt einbeziehen.
Lese-Tipps: Ergänzend findest du unsere Beiträge zur Herbst-Fütterungsumstellung, zum Gewichtsmanagement beim Pferd und zum Kotwasser.

