Pferd und Frost: Was dein Liebling jetzt wirklich braucht

Pferd und Frost: Was dein Liebling jetzt wirklich braucht

Longieren im Herbst: sicher arbeiten, wenn es früh dunkel wird Du liest Pferd und Frost: Was dein Liebling jetzt wirklich braucht 12 Minuten

Wenn das Thermometer nachts auf null Grad fällt, ändert sich im Stall mehr, als man denkt. Mit ein paar Handgriffen am Abend und einem kurzen Check am Morgen kommt dein Pferd bei Frost entspannt durch die ersten Frostnächte. Hier bekommst du die Checkliste, wie ich sie einer Freundin am Stall erklären würde.

Stand: November 2026 · 

Das Wichtigste in Kürze

  • Wasser: Pferde trinken bei Kälte oft weniger. Prüfe die Tränke morgens und abends, und biete angewärmtes Wasser an.
  • Decke: Als Orientierung kommt ein gesundes Pferd mit vollem Winterfell bis etwa −8 °C ohne Decke aus. Wind, Nässe, Schur und Alter ändern das.
  • Heu: Bei Kälte mehr Heu füttern, das Kraftfutter nicht erhöhen.
  • Hufe: Täglich auskratzen und auf weichen, übelriechenden Strahl achten. Auf glatten Wegen lieber führen.
  • Weide: Nicht hungrig auf die Koppel, vorher Heu füttern.

Wasser zuerst, damit die Tränke nicht einfriert

Pferde trinken bei Kälte oft weniger, und das erhöht das Kolikrisiko. Zu wenig Wasser ist ein wichtiger Auslöser für Verstopfungskolik, die im Winter am häufigsten vorkommt. Eine eisfreie Tränke ist deine wichtigste Frost-Aufgabe.

  • Prüfen: Schau morgens und abends nach den Selbsttränken.
  • Isolieren: Frei liegende Leitungen schützt du vor dem Einfrieren.
  • Anwärmen: Wenn die Tränke friert, biete auf dem Paddock angewärmtes Wasser an. In einer Studie tranken Pferde 40 Prozent mehr, wenn es auf 19 °C erwärmt war statt 0 bis 3 °C kalt.
  • Beobachten: Ein kurzer Blick auf die Trinkmenge lohnt sich gerade in den ersten kalten Tagen. Schnee ist kein Ersatz für Trinkwasser.
Pferd steht im Winter an einem Wassertrog im frühen Morgenlicht
Eine frische, eisfreie Tränke ist an kalten Tagen das Wichtigste.

Pferdedecke bei Frost, wie viel Grad braucht dein Pferd?

Bei der Decke zählt die Nacht, nicht das Datum. Eine feste Gradzahl gibt es nicht, denn die untere kritische Temperatur ist bei jedem Vierbeiner anders. Das ist der Punkt, ab dem dein Pferd mehr Energie braucht, um warm zu bleiben. Nach Gefühl, nicht nach Kalender.

Als Orientierung helfen diese Werte aus Fachinformationen der University of Minnesota und der University of Georgia (Umrechnung von Fahrenheit, daher „etwa“):

Orientierungswerte für die Kältetoleranz von Pferden: Situation, Temperatur und was zusätzlich zählt
Dein Pferd Orientierung Was zusätzlich zählt
Gesund, voll im Winterfell Bis etwa −8 °C ohne zusätzliche Wärme, an Kälte gewöhnte Pferde teils bis etwa −15 °C Nässe und Wind senken die gefühlte Temperatur
Sommerfell oder kaum Winterfell Ab etwa 5 °C braucht dein Pferd zusätzliche Wärme Eher früher eindecken
Ohne Unterstand auf der Weide Auch mit Winterfell eindecken, wenn Temperatur oder gefühlte Temperatur unter etwa −15 °C fällt Schutz vor Wind und Nässe hilft

Das verschiebt die Grenze nach oben

Nässe

Nasses Fell isoliert schlecht. Ein nasses Pferd erst trocknen lassen, dann eindecken.

Wind

Wind senkt die gefühlte Temperatur, die Grenze rutscht nach oben.

Schur

Geschorene Pferde brauchen früher eine Decke.

Alter und Gewicht

Alte, sehr junge und dünne Pferde frieren eher.

Infografik: Wie viel Grad verträgt dein Pferd, mit Skala von 5 bis minus 15 Grad und Einflussfaktoren
Orientierung für gesunde Pferde, nach University of Minnesota Extension und University of Georgia.

Ein ungeschorenes, gesundes Pferd mit Winterfell braucht bei null Grad oft noch keine dicke Decke, ein geschorenes oder älteres Pferd dagegen schon. Fühl hinter dem Widerrist: Ist es dort warm und trocken, passt die Decke. Schwitzt dein Liebling, ist sie zu dick.

Nach dem Training lässt du dein Pferd erst trocken abschwitzen, dann deckst du ein. Dafür ist eine Fleecedecke wie die RugBe Economic Abschwitzdecke praktisch: schnell trocknend, mit Widerristpolster aus Fleece, Brustverschnallung und Schweifriemen.

Decke regelmäßig abnehmen So siehst du Körperzustand, Haut und Druckstellen am Widerrist. Mehr zum Abschwitzen liest du im Beitrag Abschwitzdecke richtig nutzen.
Nasses Pferd? Erst trocknen, dann decken Ein nasses Pferd verliert Wärme. Deck es nicht mit einer nassen Decke ein, sondern lass es zuerst mit einer Fleece- oder Wolldecke trocknen. Nasse Decken wechselst du aus.

Woran du erkennst, dass dein Pferd friert

Zittern, kalte Haut unter dem Fell, eine gekrümmte Haltung, ein steifer Gang oder Zusammendrängen auf der Weide sind Warnzeichen. Ein Pferd, das nicht zittert, friert wahrscheinlich nicht. Frieren siehst du, bevor du es misst.

Pferd mit Winterdecke steht an einem kalten Tag auf dem Paddock
Ob mit oder ohne Decke: Dein Pferd zeigt dir, was es braucht.

Mehr Heu, mehr Wärme für die kalte Nacht

Bei Frost braucht dein Pferd mehr Energie, um warm zu bleiben. Der einfachste Weg dorthin ist Heu, denn bei der Verdauung im Dickdarm entsteht Wärme. Mehr Heu statt mehr Kraftfutter.

Als Faustregel steigt der Energiebedarf um etwa 1 Prozent pro Grad Fahrenheit unter der kritischen Temperatur, das sind rund 2 Prozent pro Grad Celsius. Wird es also kälter als die Wohlfühlgrenze deines Vierbeiners, bekommt er mehr Heu. Das Kraftfutter erhöhst du dafür nicht.

Hufe und Boden bei Frost, damit nichts rutscht

Gefrorener, unebener Boden ist hart für Hufe und Gelenke. Hufe auskratzen ist dein tägliches Frost-Ritual. Achte dabei auf weichen, übelriechenden Strahl: Feuchtigkeit tagsüber und Frost nachts setzen dem Horn zu.

Bei unbeschlagenen Pferden kann etwas Vaseline an der Hufunterseite das Aufstollen von Schnee verringern, bei beschlagenen helfen Einlagen, sogenannte Snow Grips. Schraubstollen nimmst du nach dem Reiten wieder heraus, sonst droht Verletzungsgefahr. Für die tägliche Strahlpflege passt die whinny x bay Strahlpflege Strahl Power, eine kleine 125-ml-Flasche, die du sparsam und gleichmäßig auf den Huf aufträgst. Auf glatten Wegen führst du dein Pferd lieber, statt zu reiten.

Weicher, übelriechender Strahl? Zeig ihn deinem Hufbearbeiter oder deiner Tierärztin, bevor es schlimmer wird.
Pferd geht an einem Frosttag über einen verschneiten Weg
Gefrorene und verschneite Wege verlangen Aufmerksamkeit, von dir und von deinem Pferd.

Weide und Paddock bei Bodenfrost

Auch Weide und Paddock brauchen einen Blick. Gefrorenes Gras kann Koliken auslösen, vor allem bei empfindlichen Pferden. Dazu kommt: Sonnige Tage mit kalten Nächten sind genau die Bedingungen, bei denen Gras viel Fruktan enthalten kann, einen Zucker, der Hufrehe begünstigen kann. Ponys sind dafür anfälliger als Pferde.

  • Erst Heu: Lass deinen Vierbeiner nicht hungrig auf die Koppel und füttere vorher Heu.
  • Heu dazu: Gutes Heu sollte auch bei Weidegang immer zusätzlich verfügbar sein.
  • Boden checken: Harte Trittspuren, Löcher und Eis werden bei Frost schnell zur Stolperfalle.

Erst Heu, dann Koppel.

Pferde stehen an einem Frostmorgen mit Raureif auf einer Koppel
Heu und ein Blick auf den Boden gehören zu jedem Weidegang bei Frost.

Und du? Warm durch die Stallzeit

Auch du darfst es dir bequem machen. Mehrere dünne Schichten, gute Socken und Handschuhe machen die Stallzeit um sechs Uhr deutlich angenehmer. Ein warmer Mensch ist ein geduldiger Mensch.

Deine Frost-Checkliste für Morgen und Abend

Zum Abhaken am Stalltor: Das sind die Dinge, die du bei Frost am Morgen und am Abend im Blick behältst.

Frost-Checkliste für Morgen und Abend: Zeitpunkt, was du prüfst und worauf du dabei achtest
Wann Was du prüfst Worauf du achtest
Morgens Tränke Eisfrei und frisch? Wie viel hat dein Pferd getrunken?
Morgens Hufe und Strahl Auskratzen, weichen oder übelriechenden Strahl melden.
Morgens Decke Warm und trocken hinter dem Widerrist? Dann passt sie.
Vor der Weide Heu und Boden Nicht hungrig auf die Koppel, Trittspuren und Eis prüfen.
Abends Tränke und Leitungen Prüfen, isolieren, bei Bedarf angewärmtes Wasser anbieten.
Abends Heu für die Nacht Genug Heu da? Bei Kälte mehr Heu, kein zusätzliches Kraftfutter.
Abends Nach dem Training Erst trocken abschwitzen lassen, dann eindecken. Nasse Decken wechseln.

Deine Fragen zu Pferd und Frost

Wie verhindere ich, dass die Tränke im Frost einfriert?

Am sichersten sind beheizte Wassertröge oder automatische Systeme, die nicht einfrieren. Isoliere frei liegende Leitungen und prüfe die Tränke morgens und abends. Friert sie trotzdem zu, biete angewärmtes Wasser an.

Trinken Pferde bei Frost weniger?

Oft ja, und das ist ein Risiko, denn zu wenig Wasser begünstigt Verstopfungskolik. In einer Studie tranken Pferde 40 Prozent mehr, wenn das Wasser auf 19 °C erwärmt war statt 0 bis 3 °C kalt. Schnee ist kein Ersatz für Trinkwasser.

Pferdedecke, wie viel Grad braucht mein Pferd?

Eine feste Gradzahl gibt es nicht, aber Orientierungswerte: Ein gesundes Pferd mit vollem, trockenem Winterfell kommt bis etwa −8 °C ohne zusätzliche Wärme zurecht, mit Sommerfell nur bis etwa 5 °C. Nässe, Wind, Schur, Alter und Gewicht verschieben diese Grenze nach oben. Schau deshalb aufs Pferd und nicht nur aufs Thermometer.

Braucht ein ungeschorenes Pferd bei Frost eine Decke?

Oft nicht, wenn es gesund ist, ein gutes Winterfell hat, genug Futter bekommt und Schutz findet. Geschorene oder ältere Pferde brauchen dagegen meist eine Decke. Gerade bei geschorenen Pferden musst du die Decke an Temperaturwechsel anpassen.

Woran erkenne ich, dass die Decke passt?

Fühl hinter dem Widerrist: Ist es dort warm und trocken, passt die Decke. Schwitzt dein Pferd, ist sie zu dick. Nimm die Decke außerdem regelmäßig ab und kontrolliere Körperzustand, Haut und Widerrist auf Druckstellen.

Was kann ich bei gefrorenen Hufen und glattem Boden tun?

Kratze die Hufe täglich aus und achte auf weichen, übelriechenden Strahl. Bei unbeschlagenen Pferden kann etwas Vaseline an der Hufunterseite das Aufstollen von Schnee verringern, bei beschlagenen helfen Einlagen, sogenannte Snow Grips. Schraubstollen nimmst du nach dem Reiten wieder heraus, sonst droht Verletzungsgefahr. Auf glatten Wegen führst du dein Pferd besser, statt zu reiten.

Ist gefrorenes Gras gefährlich für mein Pferd?

Es kann Koliken auslösen, besonders bei empfindlichen Pferden. Lass dein Pferd nicht hungrig auf die Koppel und füttere vorher Heu. Gutes Heu sollte auch bei Weidegang immer zusätzlich verfügbar sein.

Woran erkenne ich, dass mein Pferd friert?

Typische Zeichen sind Zittern, kalte Haut unter dem Fell, eine gekrümmte Haltung, ein steifer Gang und Zusammendrängen auf der Weide. Ein Pferd, das nicht zittert, friert wahrscheinlich nicht.

Muss ich mein Pferd bei Frost mehr füttern?

Ja, aber vor allem mehr Heu. Bei der Verdauung im Dickdarm entsteht Wärme, und der Energiebedarf steigt unter der kritischen Temperatur. Das Kraftfutter erhöhst du dafür nicht.

Wie lange darf mein Pferd bei Frost nach draußen?

Das hängt von Pferd, Schutz und Boden ab. Ungeschorene, gesunde Pferde mit gutem Winterfell, genug Futter und einem geschützten Platz können draußen bleiben. Vollgeschorene Pferde gehören bei extremer Kälte in den Stall.

Mit diesen Handgriffen kommt dein Pferd gut durch den Frost

Pferd und Frost sind kein Drama, wenn du am Abend ein paar Handgriffe machst und am Morgen kurz nachschaust. Wasser, Decke, Hufe und Weide sind die vier Dinge, auf die es ankommt. Kurz prüfen, gelassen bleiben, weiter gut gelaunt.

Deine Frost-Abhakliste zum Mitnehmen

Alles auf einen Blick, zum Abhaken im Stall. Tippe die Punkte einfach an.

Checkliste zum Ausdrucken (PDF)

Quellen & Hinweis

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Kolikanzeichen, auffälligem Strahl oder Zweifeln an Futter und Haltung sprich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt.

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