Wer im Stall die ersten kahlen Stellen an einem Pferd entdeckt, kommt schnell ins Grübeln: Ist das ein Pilz? Sind es Haarlinge? Oder gar Räude? Die Unterscheidung ist entscheidend — jede dieser Erkrankungen braucht eine andere Behandlung. Und alle drei sind hoch ansteckend. In diesem Beitrag lernst du, sie voneinander zu unterscheiden und richtig zu handeln.
Warum Herbst und Winter Hochsaison sind

Die kalte Jahreszeit ist die Zeit der Hautparasiten und Pilze. Warum?
• Dickes Winterfell — ideales Versteck
• Weniger Sonne — Pilze und Parasiten mögen es dunkel
• Feuchtes Klima — begünstigt Pilzwachstum
• Enger Stallkontakt — mehr Übertragungsmöglichkeiten
• Deckengebrauch — warme, feuchte Bedingungen unter der Decke
Wer jetzt aufmerksam ist, verhindert größere Ausbrüche im Stall.
Haarlinge: Die häufigsten Parasiten im Winter
Haarlinge (Bovicola equi) sind kleine, flügellose Insekten, die dauerhaft auf dem Pferd leben. Sie beißen keine Hautwunden — sondern ernähren sich von Hautschuppen und Haarresten.
So erkennst du Haarlinge
• Kleine, gelbliche Insekten (1–2 mm) im Fell — vor allem an Mähnenkamm und Schweifrübe
• Deutlicher Juckreiz — Pferd scheuert sich
• Kahle Stellen durch Scheuern
• Schuppung und mattes Fell
• Unruhe und Nervosität
• Kleine Eier (Nissen) an den Haaren — feste weiße Punkte
So findest du Haarlinge sicher
• Fell scheiteln — vor allem an Mähne und Schweif
• Bei gutem Licht untersuchen — Sonnenlicht oder starke Lampe
• Auf Bewegung achten — Haarlinge sind meist träge, aber sichtbar
• Nissen an Haaransatz suchen
Behandlung von Haarlingen
Grundsätzlich mit Insektiziden für Pferde — meist auf Basis von Permethrin oder Deltamethrin.
• Pour-on-Präparat vom Tierarzt — meist am wirksamsten
• Waschbehandlungen mit speziellem Anti-Parasiten-Shampoo
• 2 Behandlungen im Abstand von 10–14 Tagen — damit auch die nachschlüpfenden Junghaarlinge erwischt werden
• Ausrüstung parallel behandeln — sonst Reinfektion
Ausrüstung reinigen
Alles was Kontakt hatte:
• Bürsten und Striegel — heiß auswaschen
• Decken — waschen bei 60 °C, wenn möglich
• Sattelunterlagen — gründlich reinigen
• Halfter und Zäume — desinfizieren
• Boxen — reinigen mit Leovet Desinfektionsspray
Milben: Der unsichtbare Feind
Milben sind winzig kleine Spinnentiere. Sie leben in oder auf der Haut und sind mit bloßem Auge kaum sichtbar. Die häufigsten Formen beim Pferd:
Chorioptes-Räude (Fußräude)
Häufigste Form, meist an Beinen und Fesselköpfen:
• Sehr starker Juckreiz — Pferd stampft, scheuert
• Schuppung und Krusten an Fesseln und Beinen
• Kahle Stellen
• Sekundärinfektionen häufig
• Häufig bei Behangpferden
Sarcoptes-Räude
Selten, aber sehr ansteckend — meldepflichtig!
• Extremer Juckreiz überall am Körper
• Rasche Ausbreitung in der Herde
• Meldepflicht beim Tierarzt
Psoroptes-Räude (Ohrmilben, Halsräude)
• Juckreiz an Ohren, Mähne, Hals
• Schuppung und Krusten
• Bei Kaltblütern häufiger
Wie Milben nachgewiesen werden
Nur durch Tierarzt möglich: - Hautgeschabsel unter dem Mikroskop - Serologische Tests bei schweren Verläufen - Verdachtsdiagnose anhand der Symptome
Behandlung von Milben
Ausschließlich durch Tierarzt:
• Injektionen mit Antiparasitika (Ivermectin, Moxidectin)
• Waschungen mit speziellen Präparaten
• Mehrfache Behandlungen — Milben-Zyklus muss unterbrochen werden
• Umgebungsbehandlung — Boxen, Ausrüstung
• Ggf. Meldung bei bestimmten Milbenarten
Pilzinfektionen: Der stille Erreger
Hautpilze (Dermatophyten) verursachen kreisförmige, klar abgegrenzte Hautveränderungen. Sie sind hochansteckend — auch auf Menschen!
Typische Anzeichen einer Pilzinfektion
• Kreisrunde, klar begrenzte Läsionen — daher „Ringelflechte”
• Haarausfall in der Kreisform
• Silbrige Schuppung
• Meist wenig oder kein Juckreiz (Unterschied zu Parasiten)
• Bevorzugt Sattel- und Gurtlage
• Ausbreitung über mehrere Wochen
• Ansteckend auf andere Pferde und Menschen
Häufige Pilzerreger
• Trichophyton equinum — häufigster Pferdepilz
• Microsporum equinum — auch auf Menschen übertragbar
• Trichophyton verrucosum — vom Rind übertragbar
Diagnose
• Wood-Lampe — manche Pilze fluoreszieren
• Pilzkultur — sichere Diagnose (dauert 2–4 Wochen)
• Mikroskopie von Haarschnitt-Proben
Behandlung von Hautpilzen
Kombination aus lokal und systemisch:
• Antimykotische Waschlösungen — z. B. mit Enilconazol
• Waschungen alle 3–4 Tage — mindestens 3–4 Wochen
• Bei schweren Fällen: orale Antimykotika vom Tierarzt
• Betroffene Haarbereiche scheren — Wirkstoffe besser aufnehmbar
• Immunsystem unterstützen
Wichtige Hygienemaßnahmen
• Ausrüstung desinfizieren — Bürsten, Decken, Sattelunterlagen
• Boxen desinfizieren
• Handschuhe tragen bei der Behandlung
• Kontaktvermeidung mit anderen Pferden
• Menschen schützen — vor allem Kinder und Immungeschwächte
Abgrenzung: Wer ist es?
Diese Übersicht hilft bei der Diagnose:
|
Symptom |
Haarlinge |
Milben |
Pilz |
|
Sichtbar |
Ja (mit Licht) |
Nein |
Nein |
|
Juckreiz |
Mittel–stark |
Sehr stark |
Meist gering |
|
Schuppung |
Ja |
Ja |
Silbrig |
|
Kahle Stellen |
Durch Scheuern |
Durch Scheuern |
Kreisrund |
|
Ansteckung |
Direkt |
Direkt und Umgebung |
Direkt und Umgebung |
|
Auf Menschen |
Nein |
Selten |
Ja |
|
Diagnose |
Sichtung |
Hautgeschabsel |
Pilzkultur |
Vorbeugung: So schützt du deinen Stall
Alle drei Erkrankungen lassen sich vorbeugen — durch gute Hygiene und Beobachtung:
Stallhygiene
• Boxen regelmäßig gründlich reinigen — nicht nur misten
• Zwischenwände desinfizieren
• Ausrüstung nicht gemeinsam nutzen — jedes Pferd eigene Bürsten
• Neue Pferde in Quarantäne aufnehmen
• Regelmäßige Sichtkontrollen aller Pferde
Pflege-Hygiene
• Bürsten regelmäßig waschen — mit heißem Wasser und Desinfektionsmittel
• Getrennte Sets für gesunde und kranke Pferde
• Handschuhe bei Verdachtsfällen
• Ausrüstung nach Krankheit gründlich reinigen
Fell und Haut
• Regelmäßiges Bürsten — entdeckt Auffälligkeiten früh
• Gesundes Immunsystem — durch gute Fütterung
• NURA Haarmonie für gesunde Haut
• Bei Verdacht sofort untersuchen
Wann zum Tierarzt?
Bei allen Verdachtsfällen sollte der Tierarzt einbezogen werden, aber besonders bei:
• Milbenverdacht — Diagnostik nur beim Tierarzt möglich
• Pilzverdacht — Kultur zur Sicherheit
• Mehreren betroffenen Pferden
• Kindern und Immungeschwächten im Stall
• Verdacht auf meldepflichtige Räude
• Keine Besserung nach 1–2 Wochen Behandlung
FAQ: Pilzbefall, Haarlinge und Co
Wie schnell breiten sich Haarlinge aus?
Innerhalb von 2–4 Wochen kann eine Herde durchseucht sein. Deshalb: sofort handeln!
Sind Milben mit dem Auge sichtbar?
Nein. Sie sind mit 0,3–0,5 mm zu klein. Nur Nachweis unter dem Mikroskop.
Kann ich Pilzsporen auf mich übertragen?
Ja, viele Pferdepilze sind zoonotisch. Bei Hautveränderungen: Hausarzt konsultieren.
Wie lange leben Milben in der Umgebung?
Bis zu 3 Wochen in Boxen und auf Ausrüstung. Deshalb Umgebungsbehandlung wichtig.
Kann ich Haarlinge selbst behandeln?
Ja — mit rezeptfreien Anti-Parasiten-Präparaten. Bei Unsicherheit Tierarzt fragen.
Sind Pilzinfektionen schmerzhaft?
Meist nicht. Sie jucken auch nur gering — was die Diagnose erschwert.
Wie lange dauert die Pilzbehandlung?
3–6 Wochen intensive Behandlung. Kontrolle danach wichtig.
Kann ich Decken bei Pilz weiter nutzen?
Nach gründlicher Desinfektion ja. Idealerweise bei 60 °C waschen.
Was tun, wenn mehrere Pferde betroffen sind?
Alle Pferde parallel behandeln. Sonst gibt es Rückansteckung.
Vorbeugende Behandlung sinnvoll?
In der Regel nicht. Aber gute Hygiene und regelmäßige Kontrollen.
Fazit: Früh erkennen ist alles
Haarlinge, Milben und Pilze sind lästig — aber gut behandelbar, wenn früh erkannt. Wichtig: richtige Diagnose, konsequente Behandlung, gründliche Hygiene. Und im Zweifelsfall immer den Tierarzt einbeziehen.
Im kavalio Onlineshop findest du Desinfektionsmittel, Pflegeprodukte für die Haut und Ergänzungsfutter für ein starkes Immunsystem.
Lese-Tipps: Ergänzend findest du unsere Beiträge zu Mauke beim Pferd und chronischer Mauke — auch das sind Hautthemen, die dich betreffen können.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Bei Verdacht auf Parasiten oder Pilzinfektion immer den Tierarzt einbeziehen.

