Ein Kratzer beim Ausritt, ein Schnitt im Stall, eine Schürfwunde nach dem Wälzen — kleine Wunden gehören zum Pferdealltag. Wer sie sofort richtig versorgt, verhindert Infektionen und lange Heilungsphasen. Wer aber jede Schramme sofort zum Tierarzt bringt, ruiniert schnell das Konto. Die Kunst ist die richtige Einschätzung: Was kann ich selbst? Wann muss ich Hilfe holen?
Wundversorgung: Die Grundregeln

Bevor wir zu einzelnen Verletzungstypen kommen — die wichtigsten Regeln vorweg:
Regel 1: Ruhe bewahren
Dein Pferd spürt deine Aufregung. Ruhige Ansprache, ruhige Bewegungen — auch wenn viel Blut fließt.
Regel 2: Sichere Umgebung
• Pferd fixieren — Halfter, ggf. Handhelfer
• Anderen Pferden Platz schaffen
• Werkzeug in Reichweite — nicht suchen müssen
• Gutes Licht — sonst siehst du nichts
Regel 3: Hygiene
• Hände waschen oder desinfizieren
• Saubere Materialien verwenden
• Handschuhe bei Bedarf
• Keine kontaminierten Werkzeuge
Regel 4: Systematisch vorgehen
1. Blutung stillen (falls stark)
2. Reinigen
3. Desinfizieren
4. Versorgen
5. Beobachten
Die 5 häufigsten Wundtypen

1. Schürfwunde
Merkmale: Oberflächliche Verletzung, meist mit Erde/Staub, wenig oder kein Blut.
Selbst behandeln? JA — meist unproblematisch.
Vorgehen: 1. Wunde mit klarem Wasser oder Ringerlösung ausspülen 2. Fremdkörper entfernen 3. Desinfizieren (z. B. Leovet Desinfektionsspray) 4. Wundcreme auftragen — z. B. Leovet Silbersalbe 5. Beobachten — täglich kontrollieren
2. Kleine Schnittwunde
Merkmale: Klar begrenzte Wunde, ggf. Blutung, aber nicht tief.
Selbst behandeln? Bei Wunden bis 3 cm und nicht tief: JA.
Vorgehen: 1. Blutung mit sauberem Tuch stillen (Druck!) 2. Wunde reinigen 3. Desinfizieren 4. Ggf. Zinkspray zum Schutz — whinny X bay Zinkspray 5. Verbinden bei Bedarf 6. Täglich kontrollieren
3. Prellung/Bluterguss
Merkmale: Schwellung, Warmwerden, kein sichtbarer Bluttropfen, oft nach Schlag.
Selbst behandeln? JA — meist gut behandelbar.
Vorgehen: 1. Kühlen (Eis in Handtuch, nicht direkt) 2. Zinksalbe oder Coldpack auftragen 3. Bewegungsruhe für 24–48 Stunden 4. Beobachten — bei Verschlimmerung Tierarzt
4. Insektenstich mit Reaktion
Merkmale: Rote, warme Quaddel, oft mit sichtbarem Zentrum.
Selbst behandeln? JA — bei einzelnen Stichen.
Vorgehen: 1. Stachel (falls sichtbar) mit Pinzette entfernen 2. Kühlen 3. Zinkpaste oder beruhigende Salbe 4. Bei starker Reaktion: Tierarzt
5. Kleine Kratzer und Kaubissen von anderen Pferden
Merkmale: Oberflächlich, oft mehrere gleichzeitig.
Selbst behandeln? JA — Standard.
Vorgehen: 1. Reinigen 2. Desinfizieren 3. Ggf. Wundpflegemittel 4. Konflikt in der Herde beobachten
Wann zum Tierarzt?
Bei diesen Anzeichen SOFORT Profi:
Sofort-Notfälle
• Starke Blutung — pumpend, hell (Arterie)
• Tiefe Wunde — mehr als 1 cm tief
• Große Wunde — mehr als 5 cm lang
• Sehnen, Gelenke, Bauchraum betroffen
• Am Gelenk — Gefahr für Gelenkinfektion
• Am Auge
• Nagel oder Metall in der Wunde
Wenn Symptome auftreten
• Fieber (über 38,5 °C)
• Lahmheit
• Schwellung des ganzen Beins
• Übler Geruch aus der Wunde
• Eiterbildung
• Kreis um die Wunde (Zellulitis)
• Apathie oder Fressverweigerung
Nach 2–3 Tagen ohne Besserung
• Rötung wird schlimmer
• Wunde nässt weiter
• Verdickung unterhalb
• Pferd wirkt gestresst
Die perfekte Notfallbox
Was gehört unbedingt in die Notfallbox?
Grundausstattung
• Verbandsmaterial — Mullkompressen, elastische Binden, Watte
• Wundverbandstoff — vier verschiedene Größen
• Klebeband — für Verbandsbefestigung
• Verbandsschere mit abgerundeter Spitze
• Pinzette — für Splitter/Fremdkörper
• Digitales Thermometer
Reinigungsmittel
• Sterile Kochsalzlösung — zum Ausspülen
• Chlorhexidin-Lösung — Alternative
• Mildes Reinigungsmittel — für gröbere Verschmutzung
Wundpflege
• Leovet Silbersalbe — antiseptisch
• whinny X bay Zinkspray — Wundpflege
• Ringelblumensalbe — Wundheilung
• Leovet Cold Pack — bei Schwellungen
Verbandsmaterial
• Sterile Kompressen
• Watte in verschiedenen Größen
• Elastische Binden
• Klebebänder
• Selbsthaftende Bandagen
Sonstiges
• Handschuhe — Einweg
• Taschenlampe — für dunkle Stellen
• Notfallnummern — Tierarzt, Klinik
• Notfall-PDF — z. B. unser Hitze-Aushang
Blutung stillen: Die richtige Technik
Bei stärkerer Blutung ist schnelles Handeln gefragt:
Sofortmaßnahmen
1. Sauberes Tuch auflegen
2. Fest andrücken — 5–10 Minuten
3. Nicht kontinuierlich schauen — würde Blutgerinnung verhindern
4. Bei starker Blutung Druckverband anlegen
5. Bein hochlagern (bei Beinverletzung)
6. Tierarzt informieren
Was du NICHT tun solltest
• Ins Blut fassen — Infektionsrisiko
• Wunde tief säubern wenn stark blutet
• Abdrücken über 15 Minuten ohne Kontrolle
• Selbst nähen — nur Tierarzt
Verband richtig anlegen
Ein guter Verband schützt und heilt:
Grundregeln
• Sauber arbeiten
• Nicht zu fest — Durchblutung darf nicht abgeschnitten werden
• Nicht zu locker — sonst rutscht er
• Wechsel alle 24 Stunden — je nach Wunde
• Auf Symptome achten — Schwellung oberhalb des Verbands
Verbandsmaterial-Reihenfolge
1. Wundauflage (steril)
2. Watte (dämpft)
3. Elastische Binde (fixiert)
4. Klebeband (sichert)
Häufige Fehler
Fehler 1: Zu wenig reinigen
Fremdkörper in der Wunde führen zu Infektionen. Ausgiebig ausspülen!
Fehler 2: Falsche Desinfektion
Nicht mit Alkohol auf offene Wunden — extrem schmerzhaft und schädlich.
Fehler 3: Zu enger Verband
Kann Durchblutung stören. Regelmäßig kontrollieren.
Fehler 4: Zu spät zum Tierarzt
Wenn du dir unsicher bist — lieber anrufen.
Fehler 5: Ohne Handschuhe arbeiten
Infektionsrisiko in beide Richtungen.
Vorbeugung: Verletzungen vermeiden
Am besten ist die Wunde, die gar nicht erst entsteht:
Umgebung sichern
• Boxen frei von scharfen Kanten
• Nägel und Schrauben kontrollieren
• Zäune intakt
• Weiden von Gefahrenquellen befreien
Ausrüstung
• Sattel und Zaum passgenau
• Bandagen richtig anlegen
• Regelmäßige Kontrolle
Herde
• Rangkämpfe minimieren
• Genug Platz
• Getrennte Fütterungsplätze
FAQ: Wundversorgung
Kann ich Wunden auch mit Wasser aus dem Schlauch reinigen?
Für die grobe Reinigung ja — aber danach mit steriler Lösung nachbehandeln.
Muss ich jede Wunde verbinden?
Nein — kleine Wunden heilen oft besser offen. Bei bewegten Stellen oder Verschmutzungsgefahr: verbinden.
Wie oft desinfizieren?
1–2x täglich in der Anfangsphase, dann seltener.
Warum keine Watte direkt auf die Wunde?
Fasern kleben an der Wunde — immer mit steriler Kompresse darunter.
Was ist bei Nagelverletzungen zu tun?
Sofort Tierarzt. Tetanus- und Infektionsrisiko!
Wann ist eine Wunde infiziert?
Zeichen: Rötung, Schwellung, Wärme, Eiter, übler Geruch, Fieber.
Wie lange dauert Wundheilung?
Oberflächlich: 1–2 Wochen. Tiefer: mehrere Wochen bis Monate.
Kann ich Zinksalbe für Menschen verwenden?
Ja, meist unbedenklich. Aber Pferde-Präparate sind meist besser geeignet.
Muss ich das Pferd bei Wunde ruhig halten?
Ja — Bewegung öffnet Wunden wieder auf.
Wie viel kostet der Tierarzt für kleine Wunden?
80–200 € je nach Aufwand. Investition in Vorbeugung lohnt sich.
Fazit: Selbstbewusste Wundversorgung
Mit der richtigen Notfallausrüstung und klaren Prinzipien kannst du viele kleine Wunden bei deinem Pferd selbst versorgen. Wichtig: die eigenen Grenzen kennen und im Zweifel den Tierarzt einbeziehen. Deine Notfallbox ist eine Investition in die Gesundheit deines Pferdes.
Im kavalio Onlineshop findest du alle Erste-Hilfe-Produkte für dein Pferd — von Silbersalbe über Desinfektionsspray bis zu Verbandsmaterial. Versandkostenfrei ab 89 €.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Im Zweifel immer den Tierarzt konsultieren.

