Hufrehe beim Pferd: Ursachen, Symptome & richtige Behandlung

Hufrehe beim Pferd: Ursachen, Symptome & richtige Behandlung

Hufrehe ist eine der gefürchtetsten Pferdekrankheiten — akut lebensbedrohlich, chronisch belastend. Wir zeigen dir, wie du sie erkennst, was im Akutfall zu tun ist und wie du deinem Pferd langfristig hilfst. Mit klarem Ursachen-Überblick, Symptom-Checkliste und Präventionsstrategien.

Wer schon einmal ein Pferd mit akuter Hufrehe gesehen hat, vergisst das Bild nicht: das steife Trippeln, der geschobene Gang, der geknickte Blick. Hufrehe ist eine der schmerzhaftesten Erkrankungen, die ein Pferd durchmachen kann — und leider auch eine der häufigsten. Die gute Nachricht: Viele Formen sind vermeidbar. In diesem Beitrag erfährst du alles über Ursachen, Frühwarnung, Erste Hilfe und langfristiges Management.

Was ist Hufrehe überhaupt?

Hufrehe (Laminitis) ist eine Entzündung der Huflederhaut — der Struktur, die Hufbein und Hufwand verbindet. Bei schweren Verläufen kann sich das Hufbein absenken oder gar durch die Sohle brechen. Was oft harmlos beginnt, kann in wenigen Tagen zur Katastrophe werden.

Die häufigsten Formen

          Fütterungsrehe — durch Fehlfütterung

          Belastungsrehe — durch Überlastung

          Vergiftungsrehe — durch Toxine

          Geburtsrehe — bei Zurückbleiben der Nachgeburt

          Cushing-Rehe — hormonell bedingt

          EMS-Rehe — bei Equinem Metabolischem Syndrom

Ursachen im Detail

Fütterungsbedingt

Der häufigste Auslöser:

          Zu viel Zucker/Stärke — plötzliche Fructan-Spitzen im Gras

          Getreide-Überfütterung

          Abrupte Futterumstellung

          Überweidung im Frühjahr

          Übergewicht

Stoffwechselbedingt

          Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

          Cushing (PPID)

          Insulinresistenz

Andere Ursachen

          Kolik — Toxine

          Retinierte Nachgeburt

          Extreme Belastung auf hartem Boden

          Endotoxine aus Darminfektionen

          Medikamente (z. B. Kortison in hohen Dosen)

Die Symptome erkennen

Akute Hufrehe

SOFORT Tierarzt bei diesen Zeichen:

          Steifer, geschobener Gang

          Vorderbeine vorgestreckt — „Sägebock-Stellung”

          Umbelastung — auf Hinterbeine

          Warme Hufe — mehr als sonst

          Kräftiger Puls an der Fessel

          Berührungsempfindlichkeit der Hufe

          Fressverweigerung oder Apathie

          Vermehrtes Liegen

          Trippelnder Schritt oft in der Box

Chronische Hufrehe

Nach akuter Episode oder als schleichende Form:

          Ringförmige Hufe — Wachstumsstörungen sichtbar

          Konkave Sohle — nach oben gewölbt

          Wechselnde Lahmheit — mal besser, mal schlechter

          Ungleiche Hufe

          Verkürzte Zehe

          Vollständig ausgestreckte Vorderbeine beim Stehen

Erste-Hilfe bei akuter Hufrehe

Bei Verdacht auf akute Hufrehe:

Sofortige Maßnahmen

1.        Tierarzt sofort rufen — jede Minute zählt

2.        Pferd nicht mehr bewegen — Bewegung verschlimmert

3.        In weiche, tiefe Einstreu stellen (Späne, Stroh)

4.        Ruhige Umgebung schaffen

5.        Warmes Wasser anbieten

6.        Kein Futter mehr — bis Tierarzt kommt

Kühlen der Hufe

Bewiesenermaßen hilfreich in der Akutphase:

          Beine bis zum Karpalgelenk in kaltes Wasser

          Eis-Wasser-Mischung ideal

          48–72 Stunden lang — soweit möglich

          Fußbadewannen oder Kühleimer

Was der Tierarzt macht

          Entzündungshemmer (NSAIDs)

          Ggf. Schmerzmittel

          Kreislauf stabilisieren

          Verband oder Sohlenschutz

          Empfehlungen für Fütterung und Haltung

Behandlung im Detail

Akutphase (erste 72 Stunden)

          Absolute Boxenruhe

          Kühlung der Hufe

          Medikation durch Tierarzt

          Diät — nur Heu, kein Kraftfutter

          Weiche Unterlage in der Box

Übergangsphase (Tag 3–14)

          Boxenruhe fortsetzen

          Vorsichtige Bewegung an der Hand (5–10 Min)

          Hufschmied einbinden — spezielle Beschläge

          Röntgen zur Statuskontrolle

          Fütterung streng regulieren

Langzeitphase (nach 2 Wochen)

          Kontrollierte Bewegung

          Angepasste Haltung — Sandpaddock statt Wiese

          Hufschmied-Termine engmaschig

          Diätfütterung dauerhaft

          Ursachen bekämpfen (EMS, Cushing)

Hufschmied und Beschlag bei Hufrehe

Der Hufschmied wird zum Schlüsselpartner:

Spezielle Beschläge

          Herzstück-Beschlag — entlastet die Zehe

          Kunststoffbeschläge — dämpfen

          Klebeeisen — bei sehr empfindlichen Pferden

          Hufschuhe mit Polster — als temporäre Lösung

Barhuf-Rehe-Bearbeitung

          Kurze Intervalle (4 Wochen)

          Rollen der Zehe

          Sohlenschutz bei Bedarf

Fütterung bei Hufrehe

Die wichtigste langfristige Maßnahme:

Was du füttern solltest

          Zuckerarmes Heu (unter 10% Zucker)

          Eingeweichtes Heu — reduziert Zucker

          Wenig Kraftfutter — wenn überhaupt

          Kein Zucker im Futter

          Reichlich Wasser

Was du meiden solltest

          Getreide aller Art

          Melasse und Melasseschnitzel

          Zuckerreiches Weidegras

          Snacks mit Zucker

          Möhren und Äpfel in Maßen (kaum Zucker)

Empfehlungen für Rehe-Pferde

          Höveler Puritan Pur Mash — zuckerarm, magenschonend

          NURA Vitalquelle — für den Stoffwechsel

          Ergänzungsfutter mit Beratung durch Ernährungsberater

Weide bei Rehe-Pferden

Vorsicht ist geboten:

Anti-Fructan-Regeln

          Keine Frühjahrsweide vor 10 Uhr — Fructan-Peak

          Späte Nachmittage oft besser

          Kalte Nächte mit sonnigen Tagen = hohes Risiko

          Nach Frost absolut meiden

          Sandpaddock als Alternative

Maulkorb

          Reduziert Grasaufnahme um 70%

          Ermöglicht Bewegung trotz Rehe-Risiko

          Gute Passform wichtig

          Regelmäßige Kontrollen

Bewegung nach Hufrehe

Kontrollierte Bewegung ist wichtig:

Nach der Akutphase

          Handspaziergänge — kurz und weich

          Sandpaddock — dämpfender Boden

          Kein Reiten vor Freigabe durch Tierarzt

          Aufbau langsam — über Wochen

Nach Genesung

          Angepasstes Training

          Weiche Böden bevorzugen

          Auf Zeichen achten

          Regelmäßige Kontrollen

Prognose und Aussichten

Die Prognose hängt ab von:

          Schnelligkeit der Behandlung

          Ausmaß der Hufbeinsenkung

          Ursache — behandelbar oder chronisch

          Compliance des Halters

Realistisch: - Bei früher Behandlung oft gute Prognose - Bei Hufbeinsenkung dauerhafte Einschränkung - Bei chronischer Grunderkrankung lebenslanges Management

Prävention: So verhinderst du Hufrehe

Fütterung

          Nicht überfüttern

          Zuckerarmes Heu

          Vorsichtiges Anweiden

          Kein Getreide-Übermaß

          Regelmäßiges Gewichts-Monitoring

Bewegung

          Regelmäßig, aber nicht extrem

          Weiche Böden bevorzugen

          Aufwärmen nicht vergessen

Gesundheits-Check

          EMS-Test bei Übergewicht

          Cushing-Test bei Senioren

          Regelmäßiger Tierarzt-Check

          Blutbild einmal jährlich

FAQ: Hufrehe beim Pferd

Kann Hufrehe geheilt werden?

Die Entzündung ja — aber Folgeschäden am Hufbein bleiben oft dauerhaft.

Wie schnell wirkt Kühlung?

Sofort — je früher desto besser. In der Akutphase 48–72 Stunden.

Kann mein Pferd wieder geritten werden?

Je nach Schwere — oft ja, aber angepasst. Tierarzt und Schmied entscheiden.

Sind Ponys anfälliger?

Ja — vor allem Shetlandponys und Robustponys mit Übergewichts-Tendenz.

Wie lange dauert die Genesung?

Wochen bis Monate. Chronische Fälle lebenslang.

Ist Cushing die häufigste Ursache?

Bei Senioren ja. Sonst häufiger Fütterungsfehler.

Was tun, wenn mein Pferd auf der Weide steht und Rehe entwickelt?

Sofort von der Weide, Tierarzt, Boxenruhe.

Können auch Fohlen Rehe bekommen?

Ja, aber selten. Meist erst nach dem Absetzen.

Wie oft Hufkontrollen?

Bei Rehe-Historie mindestens alle 4 Wochen.

Gibt es genetische Prädisposition?

Ja — vor allem bei EMS-anfälligen Rassen.

Fazit: Ernst nehmen und rechtzeitig handeln

Hufrehe ist eine ernste Erkrankung — aber rechtzeitig erkannt und behandelt oft beherrschbar. Der Schlüssel: Kenntnis der Symptome, sofortige Reaktion, langfristiges Management. Bei bekannter Rehe-Neigung: strenge Fütterung und regelmäßige Kontrollen.

Im kavalio Onlineshop findest du NURA Vitalquelle für den Stoffwechsel und Puritan Pur Mash für sensible Verdauung.

Wichtiger Hinweis: Bei Verdacht auf Hufrehe SOFORT den Tierarzt kontaktieren. Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung.

Lese-Tipps: Ergänzend findest du Beiträge zu 10 Tipps für gesunde Hufe und dem Anweiden-Guide — beide wichtige Rehe-Prävention.